Gutachter in Wildnisgebieten: Rundschreiben 1/2009
von Klaus Vogel
Textnummer: 675401
Erstellt am 2009/07/10, zuletzt geändert am 2009/07/10
Das E-Mail-Rundschreiben vom 18. Juni 2009 wurde anlässlich der erfolgreichen Maßnahmen im Odenwald und im Schwarzwald verfasst. Themen waren u.a. die neuen Arbeitshilfen, die Gestaltung von Probetouren sowie die Zielsetzung der Expedition.
von Klaus Vogel
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Das E-Mail-Rundschreiben vom 18. Juni 2009 wurde anlässlich der erfolgreichen Maßnahmen im Odenwald und im Schwarzwald verfasst. Themen waren u.a. die neuen Arbeitshilfen, die Gestaltung von Probetouren sowie die Zielsetzung der Expedition.
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Osterburken, 18. Juni 2009
Liebe Freunde,
im Anschluss die erfolgreichen Maßnahmen in Odenwald (Basis Osterburken) und Schwarzwald (Basis Schluchsee) auf diesem Weg einige wichtige Informationen und Hinweise. Vieles sind nur kurz gefasste Wiederholungen aus dem Expeditionsführer…
Angesichts der äußerst positiven Erfahrungen sollte die Gutacherausbildung sollte eigentlich nur noch „kompakt“, d.h. in einem Theorie und begleitete Praxis gleichermaßen umfassenden fünftägigen Kurs stattfinden. Vielleicht finden sich ja außer in Liestal, Osterburken und Salem noch weitere Anbieterstellen, die ihre Expeditionen in Wildnisgebieten (mindestens Silberstufe) für ein solches „Learning by doing“ öffnen. Denn auch für die beteiligten Aufsichtspersonen gibt es viel zu lernen: man erhält das denkbar aussagekräftigste Feedback zur eigenen Arbeit! Vielen Dank nochmals an alle Beteiligten!
Handbuch, Formularsammlung und Expeditionsführer wurden vor bzw. im Verlauf der beiden Maßnahmen gründlich überarbeitet. So enthalten alle Beispiele im (neuen) Handbuchkapitel „Ideen“ zur Expedition nun auch deren Zielsetzung (= sachlicher Fokus), im Expeditionsführer gibt es nun endlich auch das zugehörige Kapitel „Beobachten, Dokumentieren und Bericht“ und in der Formularsammlung enthalten die Streckentabellen „Land“ und „Wasser“ nach britischem Vorbild nun auch genügend Platz für die Planung der Arbeiten zur Zielsetzung entlang der Route; außerdem enthält die Sammlung ein neues Arbeitsblatt „Zielsetzung der Expedition“. Für alle anmeldepflichtigen Unternehmungen müssen ab sofort die neuen Streckentabellen, ansonsten sollen sie verwendet werden. Sie finden sich neben der neuen britischen Streckentabelle und den – unveränderten – Anmeldeformularen im Dateianhang. Wie bei allen besonders wichtigen Objekten der Website erfolgt der Zugang zu den neuen Medien direkt nach dem Muster www.jugendprogramm.de/expeditionsfuehrer.
Zu den Dingen, die vom Gutachter bereits mit Eingang der Anmeldung geprüft werden können, gehört insbesondere die Zielsetzung der Expedition: sogar auf den alten Streckentabellen ist auf den ersten Blick zu sehen, ob Zeiten für entsprechende Untersuchungen „en route“ vorgesehen sind oder nicht. In der Praxis funktionieren wird das Ganze aber vermutlich erst dann zu 100 Prozent, wenn der Themenkomplex Zielsetzung – entsprechende Erkundungen während der Tour – Präsentation der Ergebnisse im Bericht schon bei Ausbildung und Probetouren praktisch angegangen und umgesetzt wird. Wenn eine Gruppe bei der Planung der Abschlussunternehmung zum ersten Mal hiervon hört, ist es für eine sinnvolle Planung und Umsetzung zu spät! Bei den Lernstationen zur Expeditionsausbildung im Rahmen des Grundlehrgangs sind die Zielsetzung und die damit verbundenen Beobachtungen „on tour“ inzwischen jedenfalls ein Standardmodul.
Unternehmungen in Wildnisgebieten stellen aus Sicherheitsgründen knallharte Anforderungen an die Ausrüstung: noch viel weniger, als jemand, der nicht richtig ausgebildet ist, kann jemand in einer solchen Umgebung an einer Probetour oder Expedition teilnehmen, der nicht passend ausgerüstet oder gekleidet ist. Ein Grund dafür, warum es außer der Aufsichtsperson noch einen unabhängigen Gutachter geben muss, ist es gerade, diese Sicherheitsstandards ohne jeden Kompromiss durchzusetzen: wessen Ausrüstung den Vorgaben nicht genügt, der kann nicht mit auf die Tour! Auch hier beginnt der „Erziehungsprozess“ natürlich bereits bei Ausbildung und Probetouren. Dort ist aber nicht nur auf die Einhaltung der Vorgaben zu achten, sondern auch erfahren werden (können), dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt und bestimmte Wege mit den schweren Rucksäcken anderes Schuhwerk als nur Sneakers oder Turnschuhe benötigen. Dies heißt für viele Anbieterstellen aber zunehmend auch, neben Kochern und Zelten auch einfache Regenkleidung wie z.B. Ponchos und ggf. sogar weitere Ausrüstung zur Verfügung stellen zu müssen. Damit man nicht erst im Expeditionsgebiet, wo man kaum noch reagieren kann, feststellt, dass es an Ausrüstung oder Kleidung fehlt, sollte unbedingt schon daheim eine örtliche Vorkontrolle durch einen unabhängigen Gutachter erfolgen.
Bei Ausbildung und Probetouren muss auch unbedingt erfahren werden, was „früher Start am Morgen“ heißt und warum dieser so wichtig ist. Mit all dem, was an einem Tag zu leisten ist und was an Reserve für Schwierigkeiten unterwegs einzuplanen ist, kann bei einer Goldexpedition eigentlich nie später als 8 Uhr morgens gestartet werden! Außerdem ist unbedingt darauf zu achten, dass die Tagesleistungen ungefähr gleich verteilt sind, pro Tag nicht mehr als insgesamt 600 Meter Anstiege zu bewältigen sind und diese Anstiege möglichst morgens, wenn die Gruppe noch fit ist, erfolgen.
Aus Sicherheitsgründen darf die Expedition erst nach einer Akklimatisierungszeit im Wildnisgebiet erfolgen, die mindestens 24 Stunden betragen muss. Da in dieser Zeit auch das Erstreffen mit dem Gutachter erfolgt und ggf. Routen nochmals überarbeitet werden müssen, auf der anderen Seite aber die Gruppen in der Nacht vor der Expedition früh ins Bett gehen sollten, reicht diese Zeit eigentlich kaum aus. Ebenso muss am Ende des letzten Tagesetappe noch genügend Zeit für das Schlussgespräch und das Ausfüllen der Begleithefte sein – ein „Abschlussabend“ bietet sich doch geradezu an! Ein Ablauf könnte sein
1. Tag: Anreise bis 20.00 Uhr
2. Tag: Akklimatisierung und Erstreffen
3. Tag: Tag 1 der Tour
4. Tag: Tag 2 der Tour
5. Tag: Tag 3 der Tour
6. Tag: Tag 4 der Tour und Schlussgespräch; Abschlussabend
7. Tag: Abreise
Die besonderen Regelungen zu Goldstufe sind weltweit ein zentraler Bestandteil der Qualitätskontrolle innerhalb des Lizenzsystems. Goldabschlüsse werden deshalb vom Koordinationsbüro nur anerkannt, wenn die Teilnehmer registriert und die Expeditionen ordnungsgemäß angemeldet wurden. Während die Unterlagen zu Gold-Expeditionen bzw. Unternehmungen in Wildnisgebieten (auch Probetouren!) spätestens sechs Wochen vor Beginn hier vorliegen müssen, sind dies bei Unternehmungen im Ausland (alle Stufen, Probe- und Abschlussunternehmungen) spätestens zwölf Wochen. Die Unterlagen werden erst nach gründlicher und erfolgreicher Prüfung der Planung durch die Aufsichtsperson durch diese bzw. vom Programmleiter an das Koordinationsbüro weiterleitet, das auf keinen Fall mit den Expeditionsgruppen selbst kommuniziert. Die Anmeldung muss mindestens enthalten:
Anmeldeformular
tägliche Streckentabellen (neue Formulare!)
Karten, in die die Etappen eingezeichnet sind
Essensplan.
Viele Grüße,
Klaus



