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Vogel: „Die Blumen für Barbara galten euch allen“

von der NETZWERK-Redaktion

Textnummer: 083202

Erstellt am 2007/10/21, zuletzt geändert am 2008/09/02

Die erste Redaktionssitzung nach der Rückkehr von Barmstedt und Elmshorn wurde für ein ausführliches Gespräch mit Bundeskoordinator Klaus Vogel über das 2. Bundestreffen und die Perspektiven dieses Angebots genutzt.

Die erste Redaktionssitzung nach der Rückkehr von Barmstedt und Elmshorn wurde für ein ausführliches Gespräch mit Bundeskoordinator Klaus Vogel über das 2. Bundestreffen und die Perspektiven dieses Angebots genutzt.

Andere waren im Februar noch voll mit der Vorbereitung des zweiten Bundestreffens beschäftigt, da hast du dich bereits um das dritte gekümmert. Du bist extra nach Berlin gefahren, und inzwischen auch nach Kröchlendorff, wo das nächste Bundestreffen vom 1. bis 3. März 2002 stattfinden wird. Gleichzeitig arbeitest du bei uns im Team mit an der Nachbereitung von „Barmstedt 2001“. Sind die Bundestreffen diesen gewaltigen Aufwand wert?

Ohne jede Einschränkung: ja. Auch wenn man wissen muss, dass es neben mir und euch auch zahlreiche andere Leute gibt, die das Bundestreffen Zeit und Nerven kostet – und es nicht mehr wie bei der Premiere im März 2000 in Osterburken für den Trägerverein in finanzieller Hinsicht praktisch zum Nulltarif möglich ist.

Was kann man mit einer Veranstaltung wie dem Bundestreffen erreichen, was man nicht mit Hilfe von anderen Formen der Kommunikation – zum Beispiel Telefon, Fragebogen und Internet – viel einfacher und wahrscheinlich auch billiger haben könnte?

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: für den Aufbau des Jugendprogramms braucht man mehr als Papier und Bleistift oder von mir aus das Internet – man braucht „reale“ Menschen. Natürlich benutzen wir auch das Telefon, erstellen Fragebogen und haben eine Website – aber das ist doch alles eine sehr einseitige Kommunikation in Richtung Trägerverein. Was wir zusätzlich brauchen sind echte Querverbindungen, d.h. Vernetzung. Und vor allem werden zusätzliche Ebenen benötigt – Austausch nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit Herz und Hand.

„Familienpolitik“ per Bundestreffen?

Ja, das Treffen ist ein zentrales Element beim Aufbau einer deutschen Jugendprogrammfamilie; so hat es übrigens auch die Zukunftswerkstatt beim Bundestreffen in Osterburken gesehen.

Was noch?

Genauso wichtig ist natürlich  die Ausstrahlung in die Öffentlichkeit, die wir in Osterburken und in Barmstedt erreicht haben, vor allem in die Region. Nicht zuletzt haben die Bundestreffen weitere Struktur in unser Jahresprogramm gebracht: wichtige Dinge müssen bis zu diesem Termin wirklich getan sein, z.B. neue Medien erstellt  und Diskussionen abgeschlossen. Im Februar gibt es schon keine Lehrgangsangebote mehr. 

Bei unserem Gespräch am Anschluss an „Osterburken 2000“ hattest Du für uns überraschend den Beschluss der Delegiertenversammlung, die EDV im Koordinationsbüro komplett zu erneuern, als für dich persönlich wichtigstes Ereignis des ersten Bundestreffens genannt. Wie siehst du dies ein Jahr später?

Genauso. Ohne die neuen Anlagen hätte in Barmstedt niemals das „Feuerwerk an neuen Arbeitshilfen“, wie ihr im E-Info geschrieben habt, präsentiert werden können. Vor allem nicht die Website, die inzwischen die „Ressource Nr. 1“ für die Programmarbeit in Deutschland geworden ist und – Dank eurer Mitarbeit – in der Szene ihresgleichen sucht. Die Digitalkamera bekommt ihr demnächst auch noch...

Das freut uns! Uns hat aber auch das meiste andere gefallen: die Workshops, die neue Bambus-Wanderausstellung und vor allem Empfang und Fest mit über 200 Teilnehmen. Wir haben deshalb auch geschrieben: Wer das alles nicht miterlebte, der hat Jugendprogramm- Geschichte verpasst. Was meinst du?

Das ist auch meine Meinung: wer beim Wochenende in Barmstedt und Elmshorn nicht oder nur teilweise dabei war, der hat in der Tat Jugendprogramm-Geschichte verpasst. Ich kann nur hoffen, dass die Berichte in den Zeitungen, in unseren Medien und vor allem die Flüsterpropaganda bewirken, dass im nächsten Jahr in Kröchlendorff noch weniger Familienmitglieder die einmalige Chance, die das Treffen bietet, ausschlagen. Aber erstmals waren ja die meisten da. Eurer Frage entnehme ich aber auch, dass euch auch manches nicht so gefallen hat. Was denn?

Vor allem das - dass immer noch einige Anbieter nicht vertreten waren. Im Unterschied zu Osterburken gab es auch keine internationale Beteiligung – seltsam. Außerdem haben nicht nur wir einen Begegnungsraum, wie wir ihn zum Beispiel letztes Jahr in der GTO-Aula so zentral hatten, vermisst, da sollte man sich für das nächste Treffen unbedingt Gedanken machen. Das Bundestreffen soll doch gerade auch den informellen Austausch fördern! Trotz allem hat nach unserem Eindruck deine Idee, dass auch ein Projekt wie das Jugendprogramm ein jährliches Familientreffen braucht, in Barmstedt viele neue Anhänger gefunden.

Das halte ich persönlich für das wichtigste Ergebnis von Barmstedt – dass sich die Idee des Bundestreffens endgültig durchgesetzt hat. Bei aller Notwendigkeit von weiteren Verbesserungen im Detail haben wir jetzt ein sicheres Grundgerüst, von dem aus wir operieren können.

Gibt es ein Element in diesem Gerüst, das für dich besonders wichtig ist?

Bei den Programmpunkten vor allem derer öffentliche „Bunte Abend“ rund um das Internationale, wie immer die offizielle Bezeichnung auch sein mag. Mit über 200 Teilnehmern, darunter fünf Bürgermeister und weitere wichtige Vertreter des öffentlichen Lebens, war das sicher das Highlight des zweiten Bundestreffens. Auch von der Presse, die uns kontinuierlich wohlwollend begleitet hat, wurde dies so aufgenommen. Wir haben vor Osterburken lange überlegt, wie wir die Öffentlichkeit in das Bundestreffen einbeziehen können, bis diese Idee geboren war.

Und außerhalb des Veranstaltungsprogramms?

Die Methode oder besser der „Geist“ des Bundestreffens. Ich denke, wir dürfen vor lauter Bäumen nicht den Wald aus den Augen verlieren, und der ist nun einmal das Internationale Jugendprogramm. Das heißt für mich: das Bundestreffen muss ein Treffen der und nicht bloß für die Jugendprogramm-Familie sein – darauf hatte ich schon bei unserem letzten Gespräch hingewiesen. Mit den Workshops bestand in diesem Jahr erstmals die Möglichkeit für Helfer und Teilnehmer, sich aktiv einzubringen, und diese Komponente muss in Zukunft noch deutlich erweitert und verstärkt werden.

Offene Angebote und Aktionen, Begegnungscafé und Regionalabend in Kröchlendorff zielen also auch in diese Richtung.

Natürlich hat jedes dieser Angebote auch eine Funktion für sich, auf die ich hier nicht einzugehen brauche. Von ihrem Design her sind sie aber alle so gedacht, dass hier für die Basis neue Mitgestaltungsmöglichkeiten geboten werden. Wir müssen auf jeden Programmanbieter zugehen und mit ihm die Beteiligung – nicht bloß die Teilnahme! – absprechen. „Jugendprogramm live“ bedeutet in erster Linie nicht Zuschauen, sondern Mitmachen! Ich denke dabei nicht nur an die Anbieter – auch den Teamerkreis und andere Arbeitsgruppen kann man sicher noch besser einbeziehen.

Das Bundestreffen als gemeinsames Projekt von allen.

Richtig. Wir bauen hier zusammen das gemeinsame Jugendprogramm-Haus, von dem die Zukunftswerkstatt letztes Jahr gesprochen hat, in Miniatur.

Jedes Bundestreffen bedeutet eine ganz spezielle Herausforderung. Wie siehst du in dieser Hinsicht Osterburken, Barmstedt und Kröchlendorff?

Da muss ich zuerst daran erinnern, dass Bundestreffen nicht im luftleeren Raum, sondern gerade in der jetzigen Entwicklungsphase in einer jeweils ganz spezifischen Jugendprogramm-Epoche stattfinden und dass dieser „objektive“ Rahmen diese Veranstaltungen ebenso beeinflusst wie das „subjektive“ Setting, über das wir uns hier unterhalten.

Was waren diese Rahmenbedingungen?

Wie ihr wisst, hatte der Trägerverein in Osterburken gerade die schwierige Anpassung an die bundesweite Ausdehnung hinter sich, der neue Vorstand war noch kein Jahr im Amt. Vor Barmstedt lag das erfolgreichste Jahr in der deutschen Programmgeschichte, die Gründung des Bundesbeirats brachte dies ja deutlich zum Ausdruck. Wieweit wir nächstes Jahr sein werden – ich weiß es sowenig wie ihr. Wir hoffen jedenfalls, dass Vorbereitung und Durchführung des nächsten Bundestreffens mit Hilfe von Outward Bound der entscheidende Impuls zur Einführung des Programms in den neuen Ländern sein wird.

Und die „subjektive“ Seite?

„Osterburken 2000“ bedeutete die Geburt und erste Realisierung der Idee des Bundestreffens am damals einzig möglichen Ort. Für „Barmstedt 2001“ kam es vor allem darauf an, das um die Workshops ergänzte erfolgreiche Grunddesign erstmals organisatorisch unabhängig vom Koordinationsbüro in die Tat umzusetzen. Das haben unsere Partner im Kreis Pinneberg mit Bravour gemeistert. In Kröchlendorff geht es darum, die Veranstaltung im beschriebenen Sinn weiteren Pfiff zu geben – erstmals in der „Jugendprogramm-Diaspora“, mit der beschriebenen zusätzlichen Zielsetzung.

Du bist optimistisch?

Alle Erfahrung spricht dafür, optimistisch zu sein. Sowohl in Osterburken 2000 wie in Barmstedt/Elmshorn 2001 hat das Bundestreffen ganz entscheidend auch in die Region ausgestrahlt – eine Wirkung, die wir in ihrem Ausmaß gar nicht so bedacht hatten. In Kröchlendorff wollen wir dies erstmals ganz gezielt ausnutzen, und erste Erfolge zeichnen sich bereits jetzt ab – nur vier Wochen nach dem Bundestreffen!

Richten wir zum Schluss noch einmal den Blick auf „Barmstedt 2001“. Unter den Tisch gefallen ist offensichtlich die Prämierung des Fotopreises.

Ja, weil die Bewertung bei der Ausstellung nicht wie vorgesehen möglich war. Wir haben deshalb seitdem die kleine Fotopräsentation bei allen Lehrgängen und Terminen mit dabei. Die Ergebnisse werden in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

Ein Ereignis des zweiten Bundestreffens haben wir uns ganz zum Schluss aufgehoben. Du bist in Barmstedt zum dritten Mal zum stellvertretenden Vorsitzenden des Trägervereins und Bundeskoordinator gewählt worden. Uns ist aufgefallen, dass du dazu bei der Delegiertenversammlung kaum ein Wort verloren hast.

Wozu auch? Jeder weiß, wofür ich stehe – und wofür nicht. Was wichtig ist, habe ich gesagt – den Dank an alle, die wie ihr mit ihrer Arbeit Tag für Tag und Woche für Woche den Grundstock für den Erfolg des Programms in Deutschland legen. Der Blumenstrauß für Barbara galt euch allen.