Was das Programm nicht ist: Die gröbsten Missverständnisse
von Klaus Vogel
Textnummer: 558902
Erstellt am 2005/11/01, zuletzt geändert am 2008/09/02
Missverständnisse insbesondere in Bezug auf das Lizenzsystem, die Anforderungen an eine Anbieterstelle und vor allem in Bezug auf die Philosophie verhindern oft einer erfolgreichen Einführung und Entwicklung des Programms.
Missverständnisse insbesondere in Bezug auf das Lizenzsystem, die Anforderungen an eine Anbieterstelle und vor allem in Bezug auf die Philosophie verhindern oft einer erfolgreichen Einführung und Entwicklung des Programms.
Programmbezeichnung
Eher harmlose Missverständnisse hängen mit der Bezeichnung des deutschen Programms zusammen.
Beim Programm geht es nicht um internationale Jugendbegegnung, der Name weist nur auf die Eignung für alle Länder und die weltweite Verbreitung hin. Zu den wichtigsten Eigenheiten des Programms gehört gerade, dass es mit den lokalen Möglichkeiten durchgeführt werden kann.
Das Programm ist kein Fördermittelprogramm für die Jugendarbeit. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: der Trägerverein ist selbst ein anerkannter Träger der Jugendhilfe und bezieht Jugendfördermittel.
Lizenzsystem
Viel zahlreicher und weit weniger harmlos sind die Missverständnisse, die sich aus dem mangelnden Verständnis des Lizenzsystems, d.h. der Zusammenarbeit zwischen dem Trägerverein auf der einen und den Programmanbietern mit ihren Anbieterstellen auf der anderen Seite, ergeben.
Das Programm ist keine Organisation. Es wird von Einrichtungen und Organisationen, zu deren Auftrag die Arbeit mit jungen Leuten im Alter zwischen 14 und 25 gehört, im Rahmen dieser Tätigkeit auf Grundlage einer Lizenz des Trägervereins als Programmanbieter eingesetzt. Basiseinheiten für alle Programmteile sind die Anbieterstellen.
Damit ist z.B. ausgeschlossen, dass
>– der Trägerverein selbst Jugendliche betreut,<br>– ausschließlich für das Jugendprogramm gegründete Organisationen als Programmanbieter lizenziert oder Anbieterstellen registriert werden und
>– Programmteile, die im lokalen Aktivitätennetzwerk schwierig zu realisieren sind, z.B. an „Expeditionsvereine“, „Expedition Events“ oder andere Unterstützungsgebilde delegiert werden. <p>Weil das Programm keine Organisation ist, ist es insbesondere auch kein Jugendverband mit den üblichen Hierachieebenen. Lokale und regionale Anbieter-Kooperationen sind zwar sinnvoll und erwünscht, sind aber keine „Zwischeninstanzen“ zwischen Trägerverein und Anbietern. Es gibt keine „Regionalkoordinatoren“, „Regionalausschüsse“ oder „Regionalbüros“.
Auch beim Trägerverein gibt es keine regionalen Funktionen. Berater, Gold-Gutachter, Reporter, Trainer usw. sind Zusatzqualifikationen für ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter von Programmanbietern und Anbieterstellen, die in Absprache mit ihrer Einrichtung diese Aufgaben auf eigene Verantwortung übernehmen wollen oder sollen.
Der Trägerverein kann die Arbeit der Anbieter nicht finanziell unterstützen, sondern ist im Gegenteil auf deren Unterstützung durch Jahres- und Lehrgangsbeiträge sowie Einnahmen aus dem Betrieb des AwardShop angewiesen. Auch Jugendfördermittel können über den Trägerverein nicht bezogen werden.
Anforderungen an Anbieterstellen
Ein leider weit verbreitetes Missverständnis bezieht sich auf den Mindestaufwand, der zu erbringen ist, damit das Programm Erfolg haben kann.
Die Einbindung des Programms in ihre Arbeit ist für die Programmanbieter und ihre Anbieterstellen nicht leicht und nicht zum Nulltarif möglich – auch wenn diese durch die Ergebnisse viel mehr zurückbekommen als sie aufwenden. Nicht jeder Einrichtung ist das Programm den nötigen Aufwand auch tatsächlich wert.
Das Programm ist nichts für Einzelkämpfer. Auch zwei per Programmlehrgang ausgebildete Verantwortliche sind oft zu wenig, um es zum Laufen zu bringen, am Leben zu halten sowie Qualität und Wirkungskreis immer weiter zu verbessern. Bei „einfacher“ Zielgruppe kann ein Leiter höchstens ein Dutzend Jugendliche betreuen.
Mit nur einem oder zwei Teilnehmern lassen sich die Ziele des Programms nicht wirkungsvoll umsetzen. Allein aus dem Programmteil Expeditionen ergibt sich eine Mindestzahl von vier Gruppenmitgliedern, unter fünf Teilnehmern kann eine Anbieterstelle nicht erfolgreich starten.
Philosophie
Die schlimmsten Missverständnisse gibt es im Zusammenhang mit der Philosophie des Programms.
Das Programm ist für die teilnehmenden Jugendlichen nicht leicht, sondern eine persönliche Herausforderung. Obwohl es geeignet und offen ist für alle, ist nicht jeder bereit oder in der Lage, den erforderlichen Einsatz zu bringen.
Die Regeln des Programms sind nicht flexibel, sondern aus Beton, andernfalls könnte es gar kein Internationales Jugendprogramm geben. Flexibilität besteht beim Ausfüllen des Rahmens für die einzelnen Teilnehmer – so dass es zur persönlichen Herausforderung wird.
Die Zuordnung von Aktivitäten zu Programmteilen ist nicht beliebig, sondern vorgegeben (vgl. Auswahllisten und Tätigkeitsprofile). Bei Bedarf kann dies vorab geändert und ein spezielles Programm entwickelt werden.
Qualität und Quantität
Eng mit der Philosophie verwandt ist ein besonders merkwürdiges Missverständnis, mit dem Programmanbieter und Anbieterstellen oft durch ihre Umgebung unter Druck gesetzt werden.
Ziel ist nicht, die Zahl der Anbieter oder gar Teilnehmer zu vergrößern, sondern die Qualität der Programmarbeit zu verbessern. Dann vergrößert sich nach und nach auch die Basis...



