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Teilnahmeprozess: Übersicht

Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.

Textnummer: 643106

Erstellt am 2008/03/22, zuletzt geändert am 2008/09/02

Grundprinzip ist, dass das Programm den Teilnehmern gehört. Die Unterstützung der begleitenden Helfer muss deshalb immer als „Hilfe zur Selbsthilfe“ angelegt sein

Grundprinzip ist, dass das Programm den Teilnehmern gehört. Die Unterstützung der begleitenden Helfer muss deshalb immer als „Hilfe zur Selbsthilfe“ angelegt sein

Allgemeines

Methodisches Grundprinzip beim Prozess der Programmteilnahme ist, dass das Programm den Teilnehmern gehört (vgl. „Übertragung von Verantwortung“ im Teil Grundlagen). Diese Verantwortung bezieht sich nicht nur auf die Wahl und Gestaltung von Aktivitäten, sondern z.B. auch auf das Tempo, mit dem die selbst gesetzten Ziele erreicht werden sollen oder, wenn das Alter stimmt, die Programmstufe. Die Unterstützung der Helfer muss deshalb immer als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt sein und von Beginn zu immer mehr Eigenverantwortung der Teilnehmer für ihr persönliches Programm führen.

Das Programm unterscheidet bei der Erwachsenenhilfe zwischen zwei Zuständigkeitsbereichen:

  • den Gesamtprozess begleitende Leiter bzw. Mentoren („Pädagogen“) der Anbieterstelle, die hierfür durch den Programmlehrgang qualifiziert wurden;

  • die Aktivitäten in einem Programmteil betreuende Ausbilder, Gutachter und Aufsichtspersonen („Experten“), die über die notwendigen Fachkenntnisse (und ggf. Qualifikationen!) verfügen.

Eine Sonderrolle spielt der Programmteil Expeditionen, da die Anbieterstellen hier meist nur in Teilbereichen auf das örtliche Aktivitätennetzwerk zurückgreifen können. Deshalb liegt in der Regel die Gesamtverantwortung, insbesondere für Ausbildung und Ausrüstung der Teilnehmer, bei diesen und die „Pädagogen“ sind deshalb oft gleichzeitig auch als „Experten“ tätig. Aus Sicherheitsgründen gibt es für die Fachleute in diesem Programmteil außerdem spezielle Anleitungen (Expeditionsführer) und Fortbildungen (Expeditionslehrgang und Lehrgang für Gutachter in Wildnisgebieten).

Die Teilnehmer treffen sich mit ihrem Leiter im Rahmen des im Arbeitsplan der Anbieterstelle fixierten Begleitprogramms, mit den Fachleuten bei den unter „Ablauf“ in der Darstellung des Programmteils beschriebenen Fixpunkten. Für den Erfolg der Teilnahme müssen aber auch Pädagogen auf der einen Seite und Experten auf der anderen zusammenarbeiten. Das Spektrum der Kontakte reicht vom Telefongespräch über den Besuch bei einer Aktivität bzw. einer Beratungssitzung bis zum „Runden Tisch“.

In der Zeit vom Programmstart (Erhalt des Begleithefts, ggf. als Veranstaltung) bzw. dessen Vorbereitung bis zur Verleihfeier (Erhalt von Abzeichen und Urkunden) sind folgende Schritte im Prozess der Programmteilnahme unterscheiden, die jeweils den „Pädagogen“, den „Experten“ oder beiden zugeordnet sind:

  • Vorbereiten der Teilnahme

  • Auswahl der Aktivitäten

  • Festlegen des persönlichen Programms

  • begleitete Praxis (je nach Programmteil bzw. Aktivität erst nach einer vorbereitenden Ausbildung)

  • Auswertung und Abschluss.

Die spezifischen Prozessschritte in den Programmteilen sind in deren Darstellung unter „Ablauf“ jeweils ausführlich beschrieben. Festzuhalten ist, dass der Grundsatz „Je mehr man gibt, desto mehr bekommt man auch zurück!“ nicht nur für Teilnehmer gilt, sondern auch für die Begleiter. Besonders die Leiter dürfen nie vergessen: je mehr sie in den Begleitprozess investieren, desto besser ist auch das Ergebnis der Programmteilnahme für die jungen Menschen.

 

Einzelschritte

Vorbereiten der Teilnahme*)

Teilnehmer können für ihr Programm nur Verantwortung übernehmen, wenn sie Grundsätze und Regeln hinreichend kennen. Auf der Goldstufe wird deshalb sogar vorab die Teilnahme am Programmlehrgang verlangt. Eine gute schriftliche Grundlage (auch für die Eltern) ist die Einführung.

Wichtigstes Vorbereitungsinstrument ist aber eine lebendige Darstellung durch die Anbieterstelle, am besten programmgemäß „mit Kopf, Herz und Hand“. Die Optionen reichen vom halbtägigen Einführungsworkshop über einen ganztägigen Schnupperkurs bis zum mehrtägigen Startwochenende. Gerade hier gilt: „Je mehr man gibt, desto mehr bekommt man zurück!“.

Auswahl der Aktivitäten*)

Die gründliche Vorbereitung hat unter anderem die Zielsetzung, dass die Teilnehmer überhaupt eine vernünftige Wahl unter den lokal möglichen Aktivitäten aus den Aktivitätenlisten zu den einzelnen Programmteilen treffen können. Da das Programm ein Marathon ist, und kein Sprint und sich der Großteil der Motivation aus der Freude an der praktischen Betätigung ergibt, ist die Auswahl für den Erfolg des Programms entscheidend.

Es ist darauf zu achten, dass die Wahl folgende Vorgaben erfüllt:

  • Die Zuordnung einer Aktivität zu einem Programmteil über die Aktivitätenliste ist fest. In Absprache mit dem Koordinationsbüro können aber neue Aktivitäten in die Liste aufgenommen werden.

  • Vor dem Erhalt des Begleithefts begonnene Aktivitäten können zwar fortgesetzt, „Vor-Zeiten“ aber nicht auf die Mindestzeiten angerechnet werden. Auf den höheren Programmstufen sollte ein zunehmender Teil der Aktivitäten außerhalb der Anbieterstelle ausgeführt werden.

  • Die Auswahl muss ausgewogen sein. Obwohl sich um Beispiel Aktivitäten zum Kanufahren in allen vier Programmteilen finden lassen (d.h. Kanurettungskurs, Kanuexpedition, Kanubau, Kanusport), schränkt eine solche Kombination den Teilnahmeprozess zu stark ein.

  • Natürlich ist es möglich, dieselbe Aktivität auf allen drei Stufen durchzuführen. Aber da das Programm dazu dient, den Horizont zu erweitern und neue Talente zu entdecken, sollten Teilnehmer auf einer neuen Programmstufe immer ermutigt werden, etwas Neues auszuprobieren.

Online-Handbuch bzw. Leitermappe enthalten Arbeitsblätter hierzu. Da man sich unter der Bezeichnung einer Aktivität (z.B. Mode) oft nur wenig vorstellen kann, sind die Tätigkeitsprofile oft schon in dieser Phase eine große Hilfe.

Festlegen des persönlichen Programms

Das persönliche Programm ist die Summe der Einzelprogramme in den Programmteilen. Deren Absprache erfolgt, wie jeweils unter „Ablauf“ ausführlich beschrieben, mit dem „Fachbetreuer“ der Aktivität in deren Einführung. Da die Einführungen in der Regel nacheinander erfolgen (manchmal sogar die Auswahl der Aktivitäten!), wird das persönliche Programm nicht auf einmal, sondern schrittweise festgelegt.

Für diese Konkretisierungen ist ein „Rohplan“ eine wertvolle Hilfe. Dieser kann neben dem Gesamtziel der Teilnahme z.B. schon Teilziele für einzelne Aktivitäten, erste Ideen für deren Ausgestaltung sowie einen ungefähren Zeitplan enthalten. Arbeitsblätter zu Analyse und Planung finden sich in Online-Handbuch bzw. Leitermappe, ebenso Ideensammlungen für viele Aktivitäten in den Tätigkeitsprofilen.

Aufgabe des Leiters ist es, von Anfang an sicherzustellen, dass die Teilprogramme ein stimmiges Ganzes bilden und insgesamt eine angemessene Herausforderung darstellen. Bei der Zeitplanung sollte dazu ermutigt werden, nach dem persönlichen Tempo zu arbeiten und ggf. Aktivitäten nicht parallel, sondern nacheinander auszuüben – auch wenn man dann halt bei der nächsten Verleihfeier noch nicht ganz fertig ist.

Begleitete Praxis

Die programmteilspezifische Begleitung und Dokumentation durch Ausbilder, Aufsichtsperson und Gutachter ist unter „Ablauf“ in der Darstellung der einzelnen Programmteile beschrieben.

Parallel hierzu wird der Prozess der Teilnahme aber auch von der Anbieterstelle begleitet, überwacht und dokumentiert. Häufig genutzte Instrumente für Beratung und „Zwischenreflexion“ durch bzw. mit dem Leiter sind:

  • E-Mail und andere Onlinedienste;

  • persönliche Gespräche (an Schulen z.B. feste Sprechstunden);

  • Kurztreffen mit Teilnehmergruppen;

  • Wochenenden (z.B. in Verbindung mit Aktivitäten im Programmteil Expeditionen).

Das Begleitheft ist das wichtigste Dokumentationsmittel für Leiter bzw. Mentoren auf der einen Seite sowie Ausbilder, Gutachter und Aufsichtspersonen auf der anderen. Ergänzende Arbeitsblätter z.B. zum Führen von Logbüchern bzw. eines persönlichen Portfolios finden sich im Online-Handbuch bzw. der Leitermappe.

Auswertung und Abschluss

Die Auswertung der Erfahrungen in den einzelnen Programmteilen geschieht im Rahmen der Schlussreflexion mit dem Gutachter, der dabei auch den Eintrag in das Begleitheft vornimmt. Genauso wichtig ist aber auch eine Gesamtauswertung der Erfahrungen auf der Ebene der Anbieterstelle.

Eine solche „Gesamtreflexion“ kann individuell, in kleinen Gruppen (auch wenn noch nicht alle Teilnehmer alle Programmteile abgeschlossen haben!) oder in einer Kombination von beidem erfolgen. Da viel Zeit und methodischer Aufwand erforderlich ist, bietet sich ein Wochenendseminar an, am besten auswärts. Dieses kann dann zum Beispiel auch zur Vorbereitung der Verleihfeier genutzt werden.

Die Schlussreflexion in den Programmteilen endet mit dem Gutachten. Entsprechend wird bei den Teilnehmern, die alle Programmteile abgeschlossen haben, am Ende der Auswertung der Abschluss im Begleitheft bzw. im Sammelzertifikat auch formell bestätigt.

Arbeitsblätter und Anleitungen zur Auswertung der Erfahrungen der Teilnehmer finden sich im Online-Handbuch bzw. der Leitermappe. Vgl. hierzu auch den Teil „Programmentwicklung“.

 

*) Anbieterstelle allein verantwortlich