Rahmen für Jugendwünsche, Werkzeug für Jugendarbeit
von Jens Grimm, Programmleiter KJR Pinneberg e.V.
Textnummer: 139202
Erstellt am 2005/05/14, zuletzt geändert am 2008/09/02
In der Ausgabe 3-4/1999 von e&l zum 5. Geburtstag des deutschen Programms erschien auch der Beitrag vom damaligen Programmleiter Jens Grimm zur Programmeinführung beim Kreisjugendring Pinneberg e.V..
In der Ausgabe 3-4/1999 von e&l zum 5. Geburtstag des deutschen Programms erschien auch der Beitrag vom damaligen Programmleiter Jens Grimm zur Programmeinführung beim Kreisjugendring Pinneberg e.V..
In Schleswig-Holstein hat sich im Kreis Pinneberg ein Arbeitskreis zum Internationalen Jugendprogramm um die Hauptschule Langelohe (Elmshorn) unter Federführung von Schulleiter Hans-Peter Frauen gebildet. Der Kreisjugendring Pinneberg hat die erfolgreiche Programmarbeit an dieser Schule von Anfang an mit großem Interesse verfolgt und begleitet.
Dies Interesse hatte mehrfache handfeste Gründe:
Die Jugendverbände und traditionellen Vereine haben zunehmend Schwierigkeiten, Nachwuchs zu rekrutieren. Ursache ist ein verändertes Konsumenten- und Freizeitverhalten, welches auf frei einteilbaren, lustorientierten und schnell wechselbaren Einheiten ausgerichtet ist.
Die feste Überzeugung, daß in allen Jugendlichen schöpferische und kreative Ressourcen vorhanden sind, die es zu wecken und zu fördern gilt. Jugendarbeit bietet wichtige Gestaltungsfelder und Freiräume der Entwicklung von jungen Menschen und trägt so in einer entscheidenden Lebensphase zur Gemeinschaftsbildung und zur Weiterentwicklung der demokratischen Tugenden bei.
Die Tatsache, daß es viele Erwachsene gibt, die als ehrenamtliche Helfer in der Jugendarbeit ihre individuellen Kenntnisse und Fertigkeiten gerne zur Verfügung stellen würden, aber nicht angesprochen werden. Durch allgemeine Sparmaßnahmen, insbesondere im sozialen Sektor ist jetzt ein „Loch“ im Betreuungsangebot entstanden.
Jugend- und Sozialarbeit muß transparent sein, muß alle angehen. Deswegen ist Bürgerengagement wichtig und muß gefördert werden.
Jugendarbeit muß weiter vernetzt werden, um den heutigen Problemen gerecht zu werden, Schulen, Polizei, Jugendverbände, Vereine usw. können nicht länger ihr eigenes Süppchen kochen. Vor allem gilt es, Schule und Jugendarbeit zu öffnen und zur Kooperation anzuregen.
Aus diesen Überlegungen heraus wuchs die Idee zu einer „Talentebörse“, an der möglichst viele mit Jugendlichen Befaßte oder an Jugendlichen Interessierte beteiligt werden sollten.
Das Internationale Jugendprogramm ist aber genau diese angestrebte Talentebörse und geht darüber noch weit hinaus. Es bietet eine feste erprobte Struktur, die Verbände, Vereine und Schulen als Werkzeug für ihre Arbeit mit Jugendlichen nutzen können und bietet den Jugendlichen einen festen, verbindlichen und dennoch flexiblen und individuell abstimmbaren Rahmen, in dem sie ihre Neigungen und Wünsche ausleben können. Durch kleine, in sich abgeschlossene Teileinheiten ist Mißerfolg weitgehend ausgeschlossen.
Da die Schule Langelohe das Programm mit viel Erfolg bei sich einführte, aufgrund begrenzter Kapazitäten aber außerstande war, es kreisweit zu verbreiten, entschloß sich der Kreisjugendring, es bei sich einzuführen. Nach Rücksprache mit erfahrenen Programmanbietern anderer Bundesländer bringt der Kreisjugendring für dieses Vorhaben ein sehr gutes Know-how und die dazugehörige Infrastruktur mit. Ziel sollte es sein, ein Koordinationsbüro zu schaffen, in dem eine kompetente Fachkraft mit Hilfe moderner Komunikationselektronik die Kontakte herstellt und betreut und die Idee im Kreis bekannt macht, damit ein möglichst reibungsloses Unterbringen der Jugendlichen in die von ihnen gewünschten Bereiche (Talente, Fitneß. Dienst, Expedition) möglich ist.
In dieser Schaltstelle sollen alle Informationen zusammengeführt werden. In einer Datenbank werden sowohl die Wünsche und Neigungen von Jugendlichen aufgenommen als auch potentionelle Anbieter und Kooperationspartner. Verbänden, Firmen, Vereinen usw., die mit dem Programm arbeiten wollen, soll so ermöglicht werden, mit einem Minimum an Mehraufwand das Programm für sich und zum Wohl der Jugendlichen zu nutzen. Es soll Informations- und Arbeitsmaterial zum Jugendprogramm erstellt und bereitgestellt, Öffentlichkeits- und Pressearbeit geleistet und Kontakt zu Personen der Jugendarbeit im Kreis aufgenommen werden, um die Idee auch auf diesem Wege zu verbreiten. Dazu ist entsprechendes Material zu erstellen.
Die einzelnen Schritte zum Aufbau des Pilotprojektes sind in Abständen im Fachkreis zu reflektieren, um falsche Weichenstellungen beizeiten korrigieren zu können. Darüber hinaus ist eine Dokumentation zu erstellen, um den Modellcharakter herauszustellen und die gewonnenen Erkenntnisse festzuhalten.
Erste Schritte und Erfolge
All dies ist jetzt Wirklichkeit geworden. Durch den Einsatz von Politikern aus dem Kreis, Unterstützung durch Sponsoren sowie mit Hilfe des Arbeitsamtes konnte die Einrichtung ein Vollzeitarbeitsplatz geschaffen werden. Grundlage ist eine Mischfinanzierung aus Landesmitteln, einer Spende der Kreissparkasse und einer Strukturanpassungsmaßnahme der Arbeitsverwaltung.
Offizieller Start war der 15. November 1998. Die Übergabe der Lizenzurkunde durch Bundeskoordinator Klaus Vogel erfolgte in einer offiziellen Feierstunde, bei der u.a. Vertreter aus Bundes- und Landespolitik und des Ministeriums anwesend waren. Zum Jahresende kam ich selbst dann als hauptamtlicher Mitarbeiter dazu und nahm die Arbeit in dem neu eingerichteten Büro, dem „Award Center“, auf.
Zunächst lag der Schwerpunkt der Arbeit darin, darüber aufzuklären, was das Programm ist. Dies geschah auf möglichst vielen Ebenen und unter Einsatz aller zu Verfügung stehenden Medien (Internet, Printware, Vorträge, Gespräche, Pressekonferenzen). Hierzu wurden Präsentationsmethoden und das dazu nötige Material entwickelt. Möglichst viele Menschen sollten vom Nutzen des Programms zu überzeugt werden, um sie als Mitstreiter zu gewinnen und auf jeden Fall sicherzustellen, niemanden gegen sich zu haben. Wichtig war immer wieder der Hinweis, daß das Programm keine Konkurrenz, keine neue Jugendorganisation ist, sondern daß jeder, der es nutzt, sein Profil behält und von den erweiterten Möglichkeiten durch das Programm profitieren kann. Sobald dieser Punkt klargestellt war, war die Resonanz überraschend positiv.
Beim Neujahrsgespräch wurden die dem Kreisjugendring angeschlossenen 35 Jugendverbände informiert. Mit allen Schulen der entsprechenden Altersklassen im Kreis wurden Veranstaltungen durchgeführt, zu denen die Schulleitungen, die Eltern- und die Schülervertretungen eingeladen waren. Es fand eine Lehrerfortbildung statt, und für die Verbände wurde ein Wochenendseminar durchgeführt. Kontakte und Informationsveranstaltungen gab es mit der Kreishandwerkerschaft, den Freiwilligen-Foren, dem Kreissportverband, den örtlichen Jugendpflegen und dem Kriminalpräventiven Rat. Termine sind mit einzelnen Schulen, Open-Air-Veranstaltungen und Arbeitskreisen der Jugendarbeit sowie Info-Tagen zur Schularbeit vereinbart.
Von einigen Schulen im Kreisgebiet liegt bereits die feste Absicht vor, am Programm teilzunehmen vor. Die Lizenz der Schule Langelohe wird in Kürze an die Stadt Elmshorn übergehen und es somit für andere Elmshorner Schulen sehr vereinfachen, mit dem Programm zu arbeiten.
Die Stadt Barmstedt hat ebenfalls starkes Interesse bekundet Lizenznehmer zu werden. Nicht zuletzt hat sich der Kreisjugendring im März bei einem Jugendprogrammseminar in Finnland beteiligt, als dessen wichtigstes Ergebnis das Programm, vom Unterrichtsministerium koordiniert, nun auf breiter Basis in Finnland eingeführt werden wird. Außerdem ergaben sich interessante Möglichkeiten für den Jugendaustausch im Rahmen des Programms.



