„Learning by doing“ auch für Leiter
von der NETZWERK-Redaktion
Textnummer: 136102
Erstellt am 2004/12/26, zuletzt geändert am 2008/09/02
Mit dem insgesamt achttägigen Pilotlehrgang „Expeditionen“ wurden vom Trägerverein erstmals Betreuer für die Arbeit mit Jugendlichen in diesem Programmteil qualifiziert.
Mit dem insgesamt achttägigen Pilotlehrgang „Expeditionen“ wurden vom Trägerverein erstmals Betreuer für die Arbeit mit Jugendlichen in diesem Programmteil qualifiziert.
Acht Tage Freizeit, auf knapp drei Monate verteilt, waren zu investieren. Lehrgangsstationen vom Hochgrat im Allgäu bis zum Seligentaler Hof im Odenwald mußten absolviert werden, weder Schneetreiben on tour in Bayern (siehe Foto) noch Dauerregen in Baden-Württemberg durften der Stimmung schaden, ebensowenig der Rollenwechsel vom „Teilnehmer“ in einer reinen Erwachsenenrunde am Anfang des Kurses zum „Ausbilder“ vor Jugendlichen am Schluß: Kein Problem für die kleine, aber feine Schar von Jugendprogramm-Betreuern, die sich beim „Pilotlehrgang Expeditionen“ für die Arbeit mit Jugendlichen in diesem Programmteil qualifizierten. Schade war nur, daß Kai Uwe nach einem Verkehrsunfall bei der Anreise zum Teil 2 für den Rest des Kurses ausfiel (Tony hatte bei seinem Motorrad-Sturz in Seligental mehr Glück).
Beim „Startwochenende“ im April in Burgberg ging es, ausgehend vom Kenntnisstand des Programmlehrgangs, um allgemeine Grundsätze. Was ist eine Expedition? Was ist ihre besondere Funktion unter den vier Programmteilen? Was unterscheidet sie von Trekking-Touren? Welche Fortbewegungsmöglichkeiten gibt es, mit welchen Vor- und Nachteilen? Was ist eine Erkundung? Wie kann der Aufsichtspflicht genügt werden? Wie könnte ein Vorbereitungskurs für die Bronzestufe aussehen? – Das waren die wichtigsten Fragen, an denen im Seminarraum des „Award Lodge“ von Mike meist in kleinen Gruppen gearbeitet wurde. Da der Großteil der Teilnehmer über Vorerfahrungen im technischen Bereich (Ausrüstung, Navigation etc.) verfügte, wurden die Fragen hierzu als schriftlich zu erledigende Hausaufgaben an die Teilnehmer weitergegeben.
Im Wechselspiel des „Settings“ stand der zweite Seminarblock ganz im Zeichen der Praxis. Die Teilnehmer mußten nun selbst eine Zweitagestour nach Jugendprogramm-Bedingungen planen und durchführen, „Haus am Brunnenbach“ erhielt, wie für Dutzende wirklicher Expeditionen in jedem Jahr, die Funktion eines „Basiscamps“, vor allem für die Betreuer. Die „Lehrexpedition“, die anschließend gemeinam ausgewertet wurde, bot den Teilnehmern einen Einblick in die Tour sowohl in Perspektive der Jugendlichen wie der Aufsichtspersonen („Wo bleiben sie denn nur?“). Sie zeigte z.B. angesichts unvorhergesehener Schneefälle auch deutlich die landschaftlichen Grenzen, die von Betreuerseite für Expeditionen zu ziehen sind.
„Zurück in die Zivilisation“ hieß es dann beim dritten Termin. Im Koordinationsbüro in Osterburken wurden die bis dahin erstellten Ausarbeitungen einschließlich der Hausaufgaben gesichtet und die Seminarmappe auf den neuesten Stand gebracht. In einer ersten Bilanz wurde der seitherige Lehrgangsverlauf kritisch reflektiert und die Gesamtkonzeption entsprechend überarbeitet. Schließlich wurde, ausgehend von der beim Einführungsteil erstellten Rohkonzeption, der Vorbereitungskurs für Bronzeteilnehmer, an dem man ja als Ausbilder mitzuwirken hatte, methodisch und inhaltlich geplant, „learning by doing“, Teil II.
Bei dieser monatelangen intensiven Vorbereitung war es kein Zufall, daß dieser „Praxisteil“ für die Betreuer ebenso wie für die Jugendlichen (vgl. Bericht S. 25) zu einem einmaligen Erlebnis wurde, trotz aller Arbeit, trotz des an beiden Wochenenden nicht enden wollenden Regens. Gut Ding will eben Weile haben.
Quelle: NETZWERK 3/1995



