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Train the Trainer 2009: Karsten

„Jetzt heißt es üben, üben, üben!“ oder: wie aus gegensätzlichen Köpfen Großes entsteht

von Karsten Vogel

Textnummer: 667403

Erstellt am 2009/03/23, zuletzt geändert am 2009/05/01

Viel wichtiger als die geradezu exponentielle sachliche Lernkurve des EMAS-Trainerkurses ist etwas anderes: dass alle über sich selbst noch ein bisschen mehr erfahren, Selbstvertrauen gewinnen und neue Perspektiven fassen konnten. Gerade hier hat sich für uns in der letzten Woche das Versprechen des Programms erfüllt: „Du kannst mehr als du glaubst!“

von Karsten Vogel

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Viel wichtiger als die geradezu exponentielle sachliche Lernkurve des EMAS-Trainerkurses ist etwas anderes: dass alle über sich selbst noch ein bisschen mehr erfahren, Selbstvertrauen gewinnen und neue Perspektiven fassen konnten. Gerade hier hat sich für uns in der letzten Woche das Versprechen des Programms erfüllt: „Du kannst mehr als du glaubst!“

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Der Salat

Man stelle sich den perfekten Obstsalat vor. Keinen Säuerling, bei dem es einem bei jedem Bissen die Zehennägel aufrollt; auch kein fades Einerlei aus geschmacklosen, da unreifen Südfrüchten oder – der schlimmste Fall – ein charakterloses Mischmasch. Nein, ich meine einen Obstsalat, der in seiner Zusammensetzung perfekt harmoniert und doch exotisch und geradezu unergründlich ist – eine „Geschmacksexplosion“, wie man so schön sagt.

Einen „Salat“ ganz anderer Art, aber nicht minder harmonisch, exotisch und explosiv bildeten die Teilnehmer des diesjährigen zweiten EMAS-Trainerkurses, der in der letzten Woche in der „Alten Bahnmeisterei“ in Osterburken stattfand. Wer hätte vom harmonischen Abgang dieser einmaligen Kreation auf die neun „Zutaten“ schließen können? Waren diese doch so gegensätzlich und vielfältig, dass man glauben mochte, jede Inkarnation eines Jugendprogramm-Trainers, die in einem kulturell so vielfältigen Gebiet wie der Jugendprogramm-Region „Europa, Mittelmeer und Arabische Staaten“ nur vorstellbar ist, müsse darin vertreten sein.

Was war da nicht alles dabei! Vom gibraltischen Fliegeroffizier und Kadettenausbilder über den siebzigjährigen zypriotischen Pfadfinderleiter, die junge hauptamtliche Programmmanagerin aus England oder auch den „sporenlosen“ ehrenamtlichen deutschen Studenten bis hin zum Chef des israelischen „Centre of Research and Information“. Zutaten aus Deutschland, Gibraltar, Großbritannien, Israel, Jordanien, Portugal, Slowenien und Zypern.

Die gelungene Mischung war dabei nicht zuletzt den beiden „Köchinnen“ Alison Lewis und Helen Astaniou verschuldet. Und damit endlich Schluss mit dem Obstsalatgleichnis.

 

Das Menu

Relativ gewöhnlich begann der Siegeszug der guten Mischung am vorigen Sonntag mit dem üblichen Begrüßungsessen plus Kennenlernspielen. Die besondere Chemie zwischen den Teilnehmern trat jedoch rasch zutage. Neben dem Engagement für das Programm und einer wie auch immer gearteten Verbindung zum Lehrgangsbereich des Jugendprogramms einte die Teilnehmer nämlich auch eine Vorliebe für unterirdisch dreckigen Humor und die – im Laufe der Woche immer häufiger gestellte – Frage: WHERE ARE THE SCHNITZELS?? Wobei es weder hieran noch an anderem einschlägigem „gut-deutschem“ Essen im Laufe der Woche fehlen sollte.

Der gute Start ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man, dass es jedem nationalen Programmherausgeber prinzipiell nur vergönnt ist, maximal einen so genannten „RTP-Trainer“ zu stellen. Aus diesem (mit uns Neulingen zusammen nunmehr zwanzigköpfigen) Pool werden dann für jede Seminaranfrage aus der EMAS-Region an das Londoner Büro des International Award je zwei ausgewählt, die im Tandem den Kurs halten werden. Auf gute Qualität der „Zutaten“ des explosiven Gemischs wurde also Wert gelegt. Dass die Teilnehmer das Jugendprogramm inhaltlich aus dem effeff kannten, war Grundvoraussetzung und ermöglichte die ausschließliche Konzentration auf Trainings- und Seminarmethodik. So konnte es montagmorgens umgehend richtig losgehen mit einem Seminar, das sich durch große Professionalität und ein hohes Niveau, aber auch durch eine unbenannte und doch kontinuierliche Verpflichtung Aller zu den Grundsätzen des Programms auszeichnete.

Alsbald hetzten uns Helen und Alison unerbittlich von Training Session zu Training Session. Es gelang den beiden dabei, uns auf kreative Weise nicht etwa den Stoff zu vermitteln, sondern ihn uns – wenn auch unter strenger Anleitung, bei der wenig dem Zufall überlassen blieb – selbst erkunden zu lassen. So konnten wir in kürzester Zeit unser Wissen zu Planung, Konzeption, Methodik und Durchführung von Trainingskursen, Präsentationen und Seminaren um ein Beachtliches erweitern und vertiefen. Natürlich war dieser selbstständige, betreute Lernprozess mit einigem Stress verbunden - bereits dienstagvormittags wähnten sich Teilnehmer wie Trainer dem ersten Nervenzusammenbruch nahe.

Eine willkommene Gelegenheit, Dampf abzulassen, zugleich aber auch ein erster Schritt in Richtung Team Building (wie gesagt, RTP-Trainer arbeiten im Tandem) waren die luftigen Gruppenaktivitäten im Rippberger Hochseilgarten „Forest Jump“. Während wir beispielsweise beim „Team Beam“ nur mit Unterstützung der Anderen ins Ziel finden konnten, mussten wir, in Paaren auf dem „Catwalk“ balancierend, buchstäblich feststellen, wie schwer es manchmal ist, eng zusammenarbeiten zu müssen, sich dabei aber nicht in die Quere kommen zu dürfen.

Erschöpft, aber mit frischem Geist kehrten wir am Abend in die Alte Bahnmeisterei zurück. Dort ging es nun in raschen Schritten dem Höhepunkt des Kurses entgegen. Es galt, für den nächsten Tag zu einem vorgegebenen Thema in einem ebenfalls gegebenen Szenario eine zwanzigminütige Präsentation oder Trainingssession vorzubereiten und vor bzw. mit den anderen Teilnehmern durchzuführen, die alles bisher Gelernte umsetzte. Bis spät in die Nacht wurde da gegrübelt, ent- und wieder verworfen, geschrieben, gemalt und gebastelt (you can never use enough glitter, wie eine der erfahreneren Teilnehmerinnen kundtat), so dass für manchen letztendlich nicht mehr als eine Mütze Schlaf blieb, bevor Mittwochs in aller Frühe die „Darbietungen“ begannen. Noch während der dazwischen liegenden Kaffeepausen konnte man einzelne Teilnehmer, antiken Philosophen gleich, stark gestikulierend und scheinbar tief in Selbstgespräche versunken (tatsächlich natürlich an ein imaginäres Publikum gewandt) durch Gänge und über Wiesen ziehen sehen.

Ja, uns allen wurde einiges abverlangt. Aber während der Präsentationen selbst und auch in den respektvollen, aber stets auch knallharten gemeinsamen Feedbackrunden wurde rasch klar, wie viel jeder von uns persönlich in der kurzen Zeit gelernt hatte. Ja, neben den perfekten und annähernd perfekten Darbietungen gab es auch den ein oder anderen groben Schnitzer, aber jeder hatte sich der individuellen Herausforderung der Aufgabe gestellt und meisterte sie nun auf seine Weise. Und dass man aus Fehlern noch immer am besten lernt, weiß jeder, der mit dem Programm arbeitet.

So konnten wir alsdann alle zutiefst erschöpft, aber glücklich und unser eigenen Fähigkeiten versichert, einen Abend lang entspannen. Nicht so scheinbar unsere stets umtriebigen Coachs Helen und Alison, die am nächsten Tag einen zutiefst übernächtigten Eindruck machten, ein Zustand, der sich bis zum Ende des Seminars noch zusehends steigern würde. Für viel Mitleid mit unseren „Herren der Augenringe“ blieb jedoch kaum Zeit, denn nun galt es, abermals unser Können in der Praxis unter Beweis zu stellen, diesmal aber nicht mehr allein, sondern in Dreiergruppen.

Wie gut unsere beiden Trainerinnen uns inzwischen kannten, offenbarte sich bei der Zusammenstellung der Trios: jedes hatte seinen eigenen Charakter, doch sowohl die „faulen Genies“ als auch die „effizienten Sanftmütigen“ und die „synergetischen Streithähne“ wuchsen nun noch einmal über sich selbst hinaus, wobei gerade die Gegensätzlichkeit der Teilnehmer innerhalb der Gruppen die Strukturen zu stärken und den Geist zu beflügeln schien. Von der angespannten und manchmal fast selbstquälerischen Stimmung des Vortags war, bei allen gelegentlichen Reibereien, nichts mehr zu spüren. Eine kreative „Explosion“ folgte der anderen, der Tag verging wie im Flug.

Gute Laune und neues Selbstvertrauen kämpften die kollektive Müdigkeit sodann noch einmal nieder, machten den letzten Abend und das Abschiedsessen zum Erfolg und halfen uns auch noch am Freitag durch die letzten Sessions zur Evaluation. Dann war es soweit: Mit Abzeichen, Urkunde und T-Shirt wurden wir zu offiziellen RTP-Trainern der EMAS-Region geweiht und nahmen schweren Herzens, doch sicherlich nicht für lange Zeit, Abschied.

 

Der Weg

Was bleibt von den fünf Tagen? Nun, oberflächlich betrachtet, wissen wir jetzt alle, wer oder was NAOME ist, was es mit den geheimnisvollen SIEBEN INTELLIGENZEN auf sich hat (soweit erfasst besteht keine unmittelbare Verbindung zu den SIEBEN GEHIRNEN des Walter Moersschen Prof. Dr. Abdul Nachtigaller) oder wie man zappelige Programmleiter bei Lehrgängen mit auditiven, visuellen und kinästhetischen Methoden bei Laune hält. Ganz zu schweigen von der heiligen Dreieinigkeit der persönlichen Zielsetzung des WISSEN-FÜHLEN-TUNS. Noch Fragen?

Viel wichtiger als die an sich durchaus erstaunliche, geradezu exponentielle sachliche Lernkurve ist doch etwas anderes: dass alle, selbst die Erfahrensten von uns, gerade über sich selbst noch ein bisschen mehr erfahren, Selbstvertrauen gewinnen und neue Perspektiven fassen konnten. Gerade hier hat sich für uns in der letzten Woche das Versprechen des Programms erfüllt: „Du kannst mehr als du glaubst!“

Getan ist die Arbeit damit freilich noch nicht, im Gegenteil: nun beginnt die eigentliche Reise, die praktische Umsetzung des Erlernten. Wie Alison uns am Ende mit auf den Weg gab: „Jetzt heißt es üben, üben, üben, üben!“