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Olli Saarela und Klaus Vogel

Finnland 4: „Lernen fast rund um die Uhr“

von der NETZWERK-Redaktion

Textnummer: 014302

Erstellt am 2008/10/23, zuletzt geändert am 2011/07/05, begonnen am 2001/09/15

Der vierte deutsch-finnische Fachkräfteaustausch im September 2001 in Finnland stellte die Weichen für die ersten direkten Kontakte der Programmanbieter in beiden Ländern. Die Gäste waren besonders von der in Entwicklung befindlichen finnischen Onlineverwaltung beeindruckt.

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Der vierte deutsch-finnische Fachkräfteaustausch im September 2001 in Finnland stellte die Weichen für die ersten direkten Kontakte der Programmanbieter in beiden Ländern. Die Gäste waren besonders von der in Entwicklung befindlichen finnischen Onlineverwaltung beeindruckt.

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„This was the best international seminar I ever took part“, sagte Maija-Sisko Kauppila, Dozentin am Politechnischen Institut in Mikkeki am Ende des deutsch-finnischen Fachkräfteaustauschs in der Bildungsstätte der evangelischen Kirche in Jyväskylä (Finnland). Und Dirk Ziegenhagen, Realschullehrer in Rellingen (Schleswig-Holstein) und zum ersten Mal bei einer solchen Kooperationsveranstaltung dabei, will sich nun vor Ort gezielt um die Einbeziehung der Schulen in die deutsch-finnische Zusammenarbeit in Sachen Internationales Jugendprogramm kümmern: „Es gibt keine besseren Gelegenheiten als solche Veranstaltungen, neue Anstöße für die Arbeit vor Ort zu erhalten.“

 

Seminar auf Rädern, Teil 2

Für das vierte Kooperationstreffen hatten die Partner vom finnischen Jugendprogramm „Avartti“ wiederum keinen Aufwand gescheut, um den Teilnehmern einen idealen Rahmen für gemeinsames Erleben und Lernen zu bieten. Der Fachkräfteaustausch hatte doppelt „offiziellen“ Charakter – Partner auf finnischer Seite war das Erziehungsministerium, das für das Jugendprogramm im Land verantwortlich ist, und der Fachkräfteaustausch war Teil der bilateralen Sondermaßnahmen zwischen beiden Ländern.

Demgemäß wurde das inhaltliche Programm mit einem Besuch bei Olli Saarela, dem Leiter des Jugendreferats im Kultusministerium in Helsinki und Vorsitzenden des finnischen Jugendprogramm-Nationalkomitees, eröffnet. Dieser skizzierte die erstaunlichen Fortschritte des finnischen Programms im vergangenen Jahr und bedankte sich bei Bundeskoordinator Klaus Vogel nochmals für die Geburtshilfe, die das deutsche Programm mit dem ersten Fachkräfteaustausch im September 1998 in Deutschland geleistet habe. Als besonders wichtig hätten sich die Ausarbeitung maßgeschneiderter Programme und Strategien für wichtige Zielgruppen und der Einbezug ganzer Netzwerke in den Programmaufbau erwiesen.

In den folgenden Tagen wurden, ganz ähnlich wie 1998 in Deutschland, Programmanbieter in verschiedenen Städten und Arbeitsfeldern besucht. Erster Stopp war ein Reiterhof in Elimäki, wo Programmteilnehmerinnen vorführten und Betreuer erläuterten, wie umfassend das Medium Reiten hier für die Programmarbeit verwendet wird. Auch die Teilnehmer des Fachkräfteaustausches stellten zur großen Freude der Jugendlichen mutig ihre Reittalente unter Beweis. Die deutschen Besucher waren aufs Neue beeindruckt und versprachen, daheim nach einem Kooperationspartner Ausschau zu halten.

Nächster Jugendprogramm-Halt war die Polytechnische Hochschule in Mikkeli, der Hauptstadt der Bezirks Ostfinnland, die im finnischen Programmaufbau eine wichtige Rolle spielt und in der Maija selbst als Dozentin und Programmleiterin tätig ist. Zum Lehrprogramm im Bereich „Methoden der Jugendarbeit“ gehört inzwischen das Internationale Jugendprogramm, Gespräche gab es u.a. mit jugoslawischen Programmteilnehmern des Multikulturzentrums „Mimosa“ und Jugendprogramm-Verantwortlichen von „4H“, das zu den wichtigsten Kooperationspartnern gehört. „Das Polytechnikum dient uns als Pilotprojekt zur Einführung des Programms über bereits bestehende Netzwerke“, erklärte der finnische Programmkoordinator Mikko Veresmaa.

Zweite Station in Mikkeli war das Jugendprogramm-Projekt in einer Klasse für „Problem-Kids“ an der Kalevangangas-Schule, wo das Medium „Internet“ eine wichtige Rolle spielt. Wie überall war auch hier der Projektleiter sehr an einer Kooperation mit deutschen Programmanbietern interessiert. Ein weiterer Stop war dann das „Catering Institute“ der Berufsschule in Jyväskylä. Hier konnten die Besucher ein gelungenes Video über die bereits recht fortgeschrittene Programmarbeit bestaunen. Letzter Halt war dann ein Aerobickurs, den eine Programmteilnehmerin auf der Silberstufe als ihren Dienst leistete. „Ein Jahr noch, und ihr habt uns überholt“, freute sich Bundeskoordinator Klaus Vogel am Ende des Praxisteils.

Der letzte Teil des Fachkräfteaustauschs fand im Vesala Outdoor Centre in Jyveskylä statt. In einem zweiteiligen Workshop ging es hier um die Rolle des Dienstes beim Internationalen Jugendprogramm, um die weitere Kooperation (siehe unten) sowie die Auswertung des Fachkräfteaustausches. Den wichtigsten inhaltlichen Input und staunende Gesichter gab es ganz zum Schluss noch einmal bei der Vorführung der finnischen Onlineverwaltung, deren Probelauf demnächst abgeschlossen werden wird. Außerdem konnten bei verschiedenen Outdoor-Aktivitäten weitere Möglichkeiten für gemeinsame Maßnahmen kennengelernt werden.

 

Land und Leute

„Ohne Mampf kein Kampf“, auch nicht in Finnland. Auch im übertragenen Sinne – man kümmerte sich nicht nur intensiv um das körperliche Wohlbefinden der Gäste (Klaus Vogel: „Ich mach jetzt mal einen Tag Pause!“), sondern auch um die richtigen seelischen Streicheleinheiten. Entscheidenden Anteil hierbei hatte die abendliche Sauna, die sich wieder einmal als äußerst effektives Kommunikationsmittel erwies. Besonders viel Pluspunkte erhielt das gemeinsame Kochen am Abschlussabend.

Die lange Reise von Helsinki nach Jyväskylä war selbst schon eine einmalige Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen. Gelungene Extras hoben die Stimmung noch weiter – Stadtführung in Helsinki (mit dem Putin-Besuch als Sondereinlage!), Abstecher ins Ferienhaus von Kale, Wanderung zu den Felszeichnungen von Astuvansalmi, vierstündige Schifffahrt von dort nach Mikkeli (Dirk und Klaus zeitweise am Ruder!), Mannerheim-Museum in Mikkeli, abendliches Jugend-Violinkonzert im Outdoor Centre, die alte Holzkirche von Petäjevesi, Kanutour und Rauch-Sauna Rantapirtti, und, und, und...

...und natürlich das Geburtstagsgeschenk für Klaus Vogel! „Die Jugendprogramm-Uni macht Spaß und bringt jeden an seine Grenzen“, hatte der Bundeskoordinator kürzlich in einem Gespräch zur Aufgabe von internationalen Begegnungen gesagt. Die finnischen Partner hatten sich diese Aussage offensichtlich zu Herzen genommen und für den Osterburkener Realschullehrer als Überraschung beim Aufenthalt in Rantapirtti eine Rallyefahrt mit Jarmo Kytölehto, dem mehrmaligen finnischen Meister, organisiert. Volltreffer – nach Ende der knapp dreiminütigen Fahrt auf 380 PS lachte Klaus zwar noch immer, aber die Schweißtropfen auf der Stirn waren nicht zu übersehen!!

Insgesamt sorgte der „B-Teil“ aber nicht nur für ein optimales Arbeitsklima, sondern zeigte auch neue Möglichkeiten für die Programmarbeit auf. Ob es um die geradezu idealen Bedingungen der finnischen Seenplatte für Kanutouren oder die hervorragenden Chancen, die gerade einfache Unterkünfte und Selbstversorgung für effektive Seminararbeit bieten – gelernt wurde fast rund um die Uhr. Anlass für viele Gespräche in Vesala bot auch die gleichzeitig stattfindende Gold-Expedition einer Gruppe aus Zypern.

 

Weitere Kooperation

Genauso wegweisend wie der Verlauf des Fachkräfteaustausches waren aber auch die Kooperationsvereinbarungen, die im Workshop-Teil abgesprochen wurden. Im Jahr 2002 wird

  1. die erfolgreiche Tradition der Fachkräfteaustausche von Verantwortlichen auf nationaler und regionaler Ebene in Finnland mit dem fünften Treffen fortgesetzt werden;

  2. in Schleswig-Holstein erstmals ein Austausch auf Ebene der Programmanbieter vor allem für Verantwortliche aus diesem Bundesland stattfinden;

  3. ebenfalls in Schleswig-Holstein ein Programmlehrgang in deutscher Sprache für Lehrerinnen und Lehrer aus beiden Ländern durchgeführt werden;

  4. Finnland am internationalen Kanuprojekt in Tangersdorf bei Berlin teilnehmen;

  5. vom deutschen Koordinationsbüro eine deutsch-finnische Goldexpedition „Alpine Venture 2002“ im Allgäu organisiert;

  6. in Deutschland mit dem Praktikantenaustausch im Bereich Jugendhilfe begonnen.

Gemeinsam wollen die beiden Länder die Einführung von Minimalstandards für Gold-Expeditionen in der EMAS-Region veranlassen und die neue Regionaldirektorin Christiane Schlichting bei ihrer Arbeit unterstützen.

„Wir in Deutschland werden ganz schnell die finnischen Vorarbeiten in Sachen Intranet und webbasierter Verwaltung nutzen und hoffentlich beim nächsten Bundestreffen den Probelauf starten können“, sagte Bundeskoordinator Klaus Vogel. Darüber hinaus halte er den Einbezug von Fachhochschulen in die Programmarbeit auch in Deutschland für eine sehr wichtige Aufgabe.

In seinem Dankesschreiben an Olli Saarela heißt es: We had a wonderful week in Finland and learned a lot from each other. In Maija's words: „It was the best international seminar I ever took part“. Finland and Germany are the first two countries in the world building up the Award such closely together. We owe already a lot of our success in Germany to the Finish-German co-operation and I think we are just at the beginnings. Thank you again for all you did for the German Award and for me. Thanks too for your wonderful birthday present, which I will never forget.